Inland

Verfassungrichter nach Kritik: Wahl kein „Würfelspiel“

Der Verfassungsrichter Johannes Schnizer hat gestern Abend in der ZIB2 die - nach wie vor umstrittene - Aufhebung der Präsidentenstichwahl verteidigt. Er nannte die Notwendigkeit dazu „unerfreulich“. Aber: Die Entscheidung sei in der „jahrzehntelangen Judikatur“ begründet gewesen. Es sei in unzähligen Fällen das Wahlgeheimnis verletzt worden. Es gehe grundsätzlich darum, dass eine demokratische Wahl kein „Würfelspiel“ sein dürfe. Dabei könne man nicht mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Jede Stimme des Wählers müsse berücksichtigt werden, so Schnizer.

Schnizer verteidigt im ZIB2-Interview die Entscheidung, die Bundespräsidentenstichwahl zu wiederholen.

Der Verfassungsrichter verteidigt auch im aktuellen „Falter“ die Aufhebung der Bundespräsidentenstichwahl damit, dass in „Zehntausenden von Fällen das Wahlgeheimnis verletzt“ worden sei. In Richtung FPÖ meinte er, diese habe die Anfechtung schon vor dem Wahltermin vorbereitet. Die Freiheitlichen wiesen diese Aussage heute als „Unwahrheit“ zurück.

Ein „Eindruck“ von der umfangreichen Anfechtung

Das sei ein „Eindruck“, der bei ihm entstanden sei. Die Anfechtungsschrift könne nicht innerhalb weniger Tage derart umfangreich vorbereitet werden, sagte Schnizer in der ZIB2 zu seinem Verdacht. „Aber vielleicht täusche ich mich.“ Aktuell habe er Verständnis dafür, dass die Bundesregierung nun mit der Verschiebung der Wahlwiederholung - wegen der bekannten Klebeprobleme bei den Kuverts für die Briefwahl - auf Nummer sicher gehen wolle.

Auf die Frage, ob es klug gewesen sei, dass der Verfassungsrichter sich als Wähler des von den Grünen unterstützten Kandidaten Alexander Van der Bellen deklariert hatte, erklärte er sinngemäß: Jeder Richter habe auch eine Weltanschauung. Neutralität in seiner Funktion im Verfassungsgerichtshof (VfGH) und dem Verfahren Wahlanfechtung sei die eine, seine politische Einstellung eine andere Sache.

Flüchtlingskoordinator Konrad zieht nachdenkliche Bilanz

Christian Konrad zieht eine positive Bilanz seiner einjährigen Tätigkeit als Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, die diese Woche zu Ende geht. „Wir haben uns nach Kräften bemüht und einiges bewegt“, sagte er gestern Abend im Management Club in Wien. Der Flüchtlingshilfe will der langjährige Raiffeisen-Manager weiterhin verbunden bleiben. An der Regierungspolitik ließ er Kritik anklingen.

Konrad zieht Bilanz über ein Jahr als Flüchtlingskoordinator.

Konrad wurde im August 2015 zum Regierungskoordinator bestellt. Sein Mandat wurde von der Regierung nun nicht verlängert und läuft mit Ende des Monats aus. „Ich werde weiter helfen, auch ohne von der Regierung bestellt zu sein.“ Eine seiner wichtigsten Erfahrungen des vergangenen Jahres: „Wer will, der kann.“

Kritische Sicht auf Notverordnung

Zur Flüchtlingskrise vor einem Jahr sagte Konrad: „Die Einzigen, die vorbereitet waren, war die Zivilgesellschaft, jene, die zu Hause alles liegen und stehen gelassen haben, um zu helfen. Die hatten einen Plan.“ Dass da und dort Ängste geschürt wurden, hatte laut Konrad meist politische Gründe. „Ich erinnere an die wiederkehrenden Gerüchte von Seuchen. Nix ist passiert.“

Einen neuen Ansturm an Flüchtlingen sieht Konrad derzeit nicht. „Die Balkan-Route ist zu.“ Dass die Bundesregierung eine Notverordnung mit einer Obergrenze von 37.500 Asylverfahren vorbereitet, um für einen neuerlichen Ansturm gerüstet zu sein, sieht Konrad kritisch und nicht als oberste Priorität: „Gegen vorbereitende Maßnahmen ist ja nichts zu sagen, die Frage ist nur, was bereitet man vor.“ Für Konrad gehe es vor allem um die Integration der angekommenen Flüchtlinge.

„Geübte Praxis“ bei Krisenmanagement neu

„Unbürokratisch, schnell, richtig entscheiden“: Dieses Ziel will die Regierung mit einem neuen Krisenmanagement erreichen, das gestern nach dem Ministerrat der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Zentrum der nach langen Verhandlungen erst am Montag beschlossenen Maßnahmen stehen ein „Sicherheitskabinett“ und erweiterte Kompetenzen für das Bundesheer. Wie weit die Neuerungen reichen, ist noch nicht gänzlich absehbar - laut Regierung gibt es „keine Veränderung der geübten Praxis“.

Mehr dazu in Reaktion auf „Praxisprobleme“

Ausland

Russland testet zwei Interkontinentalraketen

Russland hat zwei mit Nuklearsprengköpfen bestückbare Interkontinentalraketen getestet. Das Atom-U-Boot „Juri Dolgoruki“ habe die ballistischen Geschoße vom Typ Bulawa (NATO-Code: SS-N-32) aus dem arktischen Weißen Meer abgefeuert, teilte gestern das Verteidigungsministerium in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit.

Angekündigte „Prüfung der Gefechtsbereitschaft“

Eine der seegestützten Raketen sei auf dem 6.000 Kilometer entfernten Versuchsgelände Kura auf der Halbinsel Kamtschatka im ostasiatischen Teil Russlands eingeschlagen. Bei der zweiten Rakete sei nach der ersten Flugphase das Kommando zur Selbstzerstörung gegeben worden, hieß es.

„Es war eine geplante Prüfung der Gefechtsbereitschaft der Flotte und ein sehr erfolgreicher Test“, sagte der langjährige Chef der russischen Kriegsmarine, Admiral Wiktor Krawtschenko. Moskau habe seine internationalen Partner im Voraus über die Übung informiert.

Griechisches Parlament stimmt weiteren Reformen zu

Das griechische Parlament hat gestern Abend ein weiteres Reformpaket verabschiedet. Die Abstimmung wurde im Staatsfernsehen übertragen. Die Maßnahmen, darunter der Verkauf von Staatseigentum wie Wasser- und Gaswerken, hatten im Abgeordnetenhaus für tagelange heftige Debatten gesorgt.

Die Reformen sind jedoch auch Voraussetzung für weitere Milliarden an Hilfsgeldern der internationalen Gläubiger des Landes. Erst damit kann Griechenland 2,8 Mrd. Euro aus einem 86 Mrd. Euro schweren Topf erhalten. Vor allem der Verkauf von Staatseigentum sowie Reformen der Sozial- und Pensionssysteme sorgten für heftige Kritik im Vorfeld. Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten rief zu einer Demonstration vor dem Parlament auf.

Flüchtlingskrise: EU-Kommission präsentiert Zwischenbilanz

In der Flüchtlingskrise zieht die EU-Kommission eine Zwischenbilanz zur Zusammenarbeit mit der Türkei. Die Brüsseler Behörde will heute dazu ihren dritten Zwischenbericht vorlegen. Die Türkei erwartet dafür die baldige Aufhebung der Visumpflicht für ihre Bürger und hat wiederholt den Oktober als Zieldatum genannt. Die EU sieht bisher aber nicht alle Bedingungen als erfüllt an.

Bericht zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen

EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos und der Vizepräsident der Behörde, Frans Timmermans, wollen sich zudem dazu äußern, ob andere EU-Staaten Flüchtlinge nach Griechenland zurückschicken können. Nach einem Grundsatzurteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs im Jahr 2011 hat etwa Deutschland solche Abschiebungen eingestellt.

Die EU-Kommission will auch einen Bericht zur Wiedereinführung von Grenzkontrollen im eigentlich reisefreien Schengen-Raum im Rahmen der Flüchtlingskrise vorlegen. Die Brüsseler Behörde hat die Losung ausgegeben, dass die Kontrollen bis Jahresende beendet werden sollten.

Ton zwischen Indien und Pakistan verschärft sich deutlich

Der Ton zwischen den Nachbarländern Indien und Pakistan hat sich innerhalb weniger Tage merkbar verschärft. Gestern bezeichnete Pakistan es als einen „Akt des Krieges“, dass Indien das 56 Jahre alte Indus-Wasserabkommen über die Nutzung von Flüssen zwischen den beiden Ländern brechen könnte.

Kurz darauf sagte die indische Regierung ihre Teilnahme am für November geplanten Gipfeltreffen der südasiatischen SAARC-Länder in Pakistan ab, dem ersten Treffen dieser Art seit mehr als zwei Jahren.

Kontrolle über den Indus

Zuvor hatte der indische Ministerpräsident Narendra Modi auf einem Treffen mit Beamten des Wasser- und des Außenministeriums eine härtere Gangart gegenüber Pakistan angekündigt. „Blut und Wasser können nicht zusammen fließen“, sagte Modi. Indien wolle das Indus-Wasserabkommen zwar nicht kündigen, aber den Dialog mit Pakistan aussetzen und seine Wasserentnahme maximieren. Das Abkommen regelt die Nutzung des Flusses Indus und seiner Nebenarme. Teil des Abkommens ist, dass Indien das stromabwärts liegende Pakistan nicht von dessen Nutzung abschneidet.

Streit um Kaschmir als Hintergrund

Auslöser der verschärften Gangart zwischen den beiden Ländern war ein Angriff auf eine indische Militärbasis in der Unruheregion Kaschmir am 18. September, bei der 18 Soldaten ums Leben kamen. Kaschmir ist zwischen den beiden Nachbarländern (und China) aufgeteilt. Jede der beiden Atommächte beansprucht den jeweils vom anderen Land kontrollierten Teil. Indien wirft Pakistan vor, auf seinem Staatsgebiet gezielt Terrorismus und damit auch Anschläge auf indischem Boden zu fördern.

Panama-Papers: EU-U-Ausschuss holt Rat bei Journalisten

Nein, von heute auf morgen werde der Panama-Ausschuss des EU-Parlaments die Welt nicht verändern, sagt Ausschussvorsitzender Werner Langen (EVP). Aber er und seine parlamentarischen Kollegen wollten Druck auf die zuständigen politischen Stellen ausüben und sich dabei weder von Kommission noch Rat oder sonst jemandem behindern lassen.

Auch die eben erst im Zuge der Bahama-Leaks in die Kritik geratene ehemalige EU-Kommissarin Neelie Kroes würden die Abgeordneten „ziemlich sicher“ in den Ausschuss laden, so Langen. Denn Kroes „hat das Parlament belogen“.

„Spitze des Eisbergs“

Kämpferische Worte – allerdings bewegte sich der U-Ausschusses in seiner ersten öffentlichen Sitzung noch auf sehr sicherem Grund: Rede und Antwort standen fünf jener Journalisten, welche die Geschäfte mit Briefkastenfirmen um die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca vor rund einem halben Jahr ans Licht gebracht hatten.

Die Daten belegen, wie Privatpersonen und Konzerne Vermögen in teils kompliziert strukturierten Scheinfirmen versteckten. Die 11,5 Millionen Dokumente seien „nur die Spitze des Eisbergs“, sagte der belgische Jorunalist Kristof Clerix. Wie auch sein deutscher Kollege Jan Strozyk wies er daraufhin, dass die Panama-Papers auch keine weit entfernte Angelegenheit seien.

Banken und Anwälte als Mittelsmänner

„Die wirklich spannenden Geschichten, die Gesetzesbrüche“, passierten in Europa, so Strozyk. Mossack Fonseca sei über Mittelsmänner zu seinen Kunden gekommen – eine Rolle, die sehr oft Banken übernommen hätten. Bei ihren Recherchen in den geleakten Dokumenten seien die Journalisten auf das „Who is who“ der Bankenwelt gestoßen. Weltweit seien 13 der 20 größten Banken in Offshore-Geschäfte verwickelt.

In der Schweiz wiederum, so Oliver Zihlmann von der Schweizer „Sonntagszeitung“, sei das Geschäft zunehmend von Anwälten übernommen worden, was damit zu tun habe, dass diese in der Schweiz deutlich weniger strengen Regeln als Banken unterliegen würden.

Mehr Schutz für Whistleblower

Was muss sich also ändern? Diese Frage zog sich als roter Faden, durch die Wortmeldungen der Abgeordneten. Die Journalisten mahnten vor allem mehr Transparenz und eine bessere Durchsetzung der geltenden Gesetze an. Diese seien innerhalb der EU ohnehin bereits ziemlich streng, so Zihlmann. Sie müssten allerdings auch verfolgt werden.

Was sich laut den Journalisten rechtlich tatsächlich ändern muss, ist der Schutz für Whistleblower, also Personen, die geheime Informationen weitergeben. Julia Stein vom NDR wies auf den Fall zweier Journalisten und eines Informanten hin, die in Luxemburg vor Gericht gestellt wurden. Damals sei bereits klar gewesen, dass die Aufdeckung im öffentlichen Interesse gestanden sei.

Den Fall bezeichnete auch der Koberichterstatter und dänische sozialdemokratische EU-Abgeordnete Jeppe Kofod als „Schande“. Allerdings seien der EU Grenzen gesetzt, so Koford. Die EU könne nur die Rahmenbedingungen erarbeiten, umsetzen müssten sie dann die Mitgliedsstaaten.

Grüne mit eigener Plattform für Informanten

Ihren eigenen Weg hinsichtlich Informanten wollen zwölf grüne Europaabgeordnete gehen, darunter der österreichische Abgeordnete Michel Reimon. Sie haben eine Plattform für Whistleblower gestartet, auf der anonyme Hinweise einlangen sollen. Sie präsentierten das Projekt direkt im Anschluss an die ersten Sitzung des Pananama-U-Ausschusses.

Zwar versprach der grüne Kofraktionsvorsitzende Philippe Lamberts, dass die Inforamtionen nicht politisch ausgenutzt werden würden. Andere Fraktionen wollen die grünen Abgoerdneten zurzeit aber bewusst nicht dabeihaben. So solle sichergestellt werden, dass das Material nicht zum Schaden „des europäischen Projekts“ genutzt werde, so Giegolt. (mars, ORF.at)

Sport

Eishockey: Capitals nach Kraftakt Erster

Die Vienna Capitals sind neuer Tabellenführer der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL). Die Wiener übernahmen im Nachtragsspiel bei den Graz 99ers mit einem 4:2-Erfolg mit dem vierten Sieg im vierten Saisonspiel die Spitze. Dabei hatte es nach zwei Dritteln nach einem Erfolg der Hausherren ausgesehen, doch im letzten Abschnitt drehten die Capitals mit einem Kraftakt die Partie in nur vier Minuten um.

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Fußball: Englischer Teamchef Allardyce muss gehen

Sam Allardyce muss nach 67 Tagen im Amt als englischer Teamchef gehen. Dem 61-Jährigen wurde ein heimlich gefilmtes Interview zum Verhängnis, in dem er als Geschäftsleuten getarnten Journalisten Tipps zur Umgehung der Transferregeln der Premier League gegeben hatte. Der englische Verband zog nun die Reißleine. Allardyce betreute die „Three Lions“ nur in einem Spiel.

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WM-Qualifikation: Koller hat keine Zeit für Experimente

Wie auf Schienen fährt Cheftrainer Marcel Koller seinen Kurs mit dem Nationalteam auch in der WM-Qualifikation weiter. In den luftigen Höhen der Skylounge des ÖFB-Partners Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) gab der Schweizer gestern seinen Kader für das Heimspiel gegen Wales und das Match in Serbien (6. und 9. Oktober) bekannt.

Wie gewohnt verzichtete Koller auf neue Gesichter, weil vom Stammpersonal niemand ausfällt. „Dafür haben wir im Moment keine Zeit“, sagte er und erteilte damit personellen Experimenten eine Absage. „Mit den Fans im Rücken wollen wir den Walisern richtig einheizen“, so Koller, der sich schon auf den EM-Semifinalisten freut.

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Wirtschaft

Niederländische Modeketten zahlen in Indien Hungerlöhne

Niederländische Modeketten wie C&A zahlen einer Studie zufolge in indischen Textilfabriken so niedrige Löhne, dass sich viele Arbeiter verschulden müssen. Die überwiegend weibliche Belegschaft von zehn Produktionsanlagen in und um die Stadt Bangalore sei zu 70 Prozent verschuldet, heißt es in einem gestern veröffentlichten Bericht von vier Nichtregierungsorganisationen.

Die befragten Mitarbeiterinnen bekommen laut Angaben durchschnittlich 90 Euro pro Monat. Das ist rund ein Drittel dessen, was eine der Organisationen als Existenzminimum in Indien definiert. Die Löhne reichten deshalb nicht für einen angemessenen Lebensunterhalt von Familien.

Eine Stunde zu Fuß, um Busticket zu sparen

Eine Arbeiterin sagte den Autoren, sie laufe täglich den einstündigen Weg zur Arbeit und zurück nach Hause, um das Geld für ein Busticket zu sparen. „Diese Frauen arbeiten sehr hart für einen Hungerlohn“, sagte Tara Scally von der Clean Clothes Campaign, die zu den Initiatoren der Studie gehört.

Die untersuchten Produktionsanlagen beliefern auch die Modefirmen G-Star, Scotch & Soda, MEXX Europe, Coolcat, The Sting, McGregor Fashions, Suitsupply und WE Fashion. Die Unternehmen erklärten, ein Existenzminimum sei wichtig. Sie arbeiteten daran, die Herausforderungen rund um Löhne und Arbeitsbedingungen zu bewältigen.

Chronik

Über 30 Tote wegen gepanschten Alkohols in der Ukraine

Wegen gepanschten Alkohols sind in der Ukraine nach Angaben der Behörde in den vergangenen Tagen mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen. Allein im Gebiet Charkiw starben 23 Menschen, im Gebiet Donezk weitere fünf, wie der Staatliche Dienst für Lebensmittelsicherheit in der Ex-Sowjetrepublik gestern mitteilte.

Alkoholsteuern stark angehoben

Innerhalb der vergangenen Woche wurden außerdem sieben Todesfälle in den Gebieten Luhansk und Mykolajiw registriert. In der Ukraine sind die Alkoholsteuern seit 2014 massiv angehoben worden. Aufgrund der Wirtschaftskrise greifen die Menschen vermehrt auf selbstgebrannten Alkohol sowie auf Billigangebote aus dem Internet zurück.

IT

Science

Baby hat dank neuer Technik Erbgut von drei Menschen

Mediziner haben erstmals mittels speziellen Zellkerntransfers ein Baby mit drei genetischen Eltern erzeugt. Das berichtete die britische Zeitschrift „New Scientist“ gestern. Laut Angaben erprobte ein Team von Forschern aus den USA, Mexiko und Großbritannien eine spezielle Keimbahntherapie bei einem Paar aus Jordanien. Die Frau hatte bereits mehrere Kinder verloren, weil sie unter einer mitochondrialen Erbkrankheit leidet, die bei Kindern zum Leigh-Syndrom führen.

Das Team der New Hope Fertility Clinic in New York nutzte ein neues Verfahren: Die Forscher entfernten den Zellkern einer Eizelle der Mutter und setzen ihn in eine Eizelle einer anderen Frau ein, deren Zellkern zuvor entfernt worden war. Diese Zelle enthielt aber noch Mitochondrien, das sind Zellkraftwerke, die ebenfalls Erbmaterial besitzen. Danach wurde die Zelle mit dem Samen des Vaters befruchtet.

Behandlung in USA nicht erlaubt

Vor fünfeinhalb Monaten sei nun ein gesunder Bub auf die Welt gekommen, berichtet das britische Magazin „New Scientist“. Die Behandlung ist in den USA nicht erlaubt, deswegen fand sie in Mexiko statt.

Es ist nicht das erste Baby mit drei genetischen Eltern. Bekannt geworden war zum Beispiel Alana Saarinen, die ebenfalls Gene von ihrem Vater und von zwei Frauen trägt, allerdings wurde damals eine andere Technik verwendet. Dabei wurden die Mitochondrien nachträglich in die befruchtete Eizelle gegeben (Zytoplasmatransfer). Die Technik ist nach Sicherheits- und Ethikbedenken 2002 in den USA verboten worden.

Kultur

Bob Dylan veröffentlicht 36-CD-Box-Set

Bob Dylan veröffentlicht am 11. November das 36-CD-Box-Set „The 1966 Live Recordings“. Darauf enthalten sind Mitschnitte von Shows, die Dylan rund um das Erscheinen seines Albums „Blonde on Blonde“ in den USA, Europa und Australien gab. Zusätzlich kommen wenig später separat eine Doppel-LP und eine Doppel-CD des „Real Royal Albert Hall 1966 Concert“ in den Handel, berichtet der „Rolling Stone“.

Die Idee zur Veröffentlichung der Mitschnitte entstand während der Archivarbeiten für Dylans im Vorjahr erschienenes Box-Set „The Cutting Edge 1965-1966“, das im Rahmen der „Bootleg Series“ Lieder aus den Studiosessions zu den Alben „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“ enthielt.

Legendärer „Judas“-Schrei in Manchester

„Die Intensität von Bobs Liveperformances und der fantastische Vortrag dieser Songs in den Konzerten fügen eine weitere aufschlussreiche Komponente zum Verständnis und zur Wertschätzung der musikalischen Revolution hinzu, die Dylan vor 50 Jahren entzündet hat“, so der Präsident von Legacy Recordings, Adam Block.

„The Real Royal Albert Hall 1966 Concert“ ist dabei der erste jener Auftritte, die damals tatsächlich in der Londoner Halle stattfanden. Ein 1998 veröffentlichtes offizielles Bootleg unter dem Titel „The Royal Albert Hall Concert“ war nämlich tatsächlich in Manchester entstanden und enthielt den legendären „Judas“-Schrei, mit dem ein Zuhörer gegen den „elektrischen“ Auftritt des damaligen Folk-Publikumslieblings protestierte.

Leute

Berlusconi: Fühle mich auf einmal wie ein 80-Jähriger

Der dreimalige italienische Premier Silvio Berlusconi, der am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert, fühlt sich nach einer schweren Herzoperation im Juni stark gealtert. „Mit der Krankheit ist mir mein Alter bewusst geworden“, sagte er im Interview mit dem Klatschmagazin „Chi“.

„In meinem Leben habe ich nie ans Altern gedacht. Ich habe immer gelebt als wäre ich 40, weil ich mich so fühlte: voller Neugierde und Tatendrang. Dann ist plötzlich die Krankheit gekommen und mit der Operation das Bewusstsein, dass ich ein 80 Jahre alter Mann bin“, so der TV-Zar.

„Blicke mit Ungewissheit in meine Zukunft“

Seinen runden Geburtstag werde er im engen Kreise seiner Familie feiern. „Ich werde jetzt mehr Zeit mit den Menschen, die ich liebe, verbringen, wie ich es in diesem Sommer getan habe. Und es ist richtig so: Mit fünf Kindern und zehn Enkelkindern bin ich ein Patriarch und so fühle ich mich auch“, sagte der Mailänder Unternehmer.

Große Pläne hegt Berlusconi nicht. „Ich blicke mit Ungewissheit in meine Zukunft“, gab der Medienzar zu. Dankbar sei er für seine Eltern, die ihn stets unterstützt hätten, auch wenn sie seine Pläne oft als zu kühn betrachteten. Seit dem Tod seiner Mutter Rosa sei seine älteste Tochter Marina die für ihn wichtigste Person. „Marina ist heute für mich Mutter, Schwester und Tochter“, so Berlusconi.

Panorama

SpaceX-Chef Musk träumt von Marskolonie

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat sich zum Ziel gesetzt, eine Kolonie auf dem Planeten Mars zu gründen und zu besiedeln. Irgendwann werde die Erde möglicherweise nicht mehr bewohnbar sein, dann sollten die Menschen über Alternativen verfügen, sagte SpaceX-Chef Elon Musk gestern auf dem Internationalen Astronautenkongress im mexikanischen Guadalajara. „Die Menschheit sollte eine multiplanetare Spezies werden.“

Elon Musk

APA/AFP/Hector-Guerrero

Zunächst müssten die Kosten für eine Reise zum Mars gesenkt werden. Dazu will SpaceX sehr große Raumschiffe bauen, die mindestens 100 Menschen und große Mengen Material transportieren können. Außerdem sollen die Raumschiffe wiederverwendbar sein und im Orbit beladen und betankt werden können.

„Das wird ein großartiges Abenteuer“

Nach seinen ambitionierten Plänen sei es möglich, die Kosten auf rund 140.000 Dollar (rund 124.000 Euro) pro Person zu drücken, sagte Musk. Der Mars biete sich zur Kolonisierung an, weil es dort Sonnenlicht und eine Atmosphäre gebe. Die Länge eines Tages sei dort vergleichbar mit der Erde und es sei möglich, Pflanzen zu züchten.

Zunächst will SpaceX ein unbemanntes Raumschiff zum Mars schicken. Ab 2025 sollen dann die ersten Menschen zum Roten Planeten reisen. Rund eine Million Menschen könnten in der absehbaren Zukunft auf dem Mars leben, meint zumindest Musk. „Das wird ein großartiges Abenteuer.“